27. MÄRZ 2019



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London im Herzen

Als ich ein 12-jähriges pupertierendes junges Gör war, war es mein sehnlichster Wunsch, spätestens nach meinem Abitur ein Jahr in London zu leben. Ich hatte mir felsenfest in den Kopf gesetzt, diese quirlige, pulsierende Metropole an der Themse unsicher zu machen. Ich liebte Pop-Musik. New Wave war absolut meine Wellenlänge und London war so hip, wie keine andere Stadt weltweit. Für mich schien London das Mekka der Pop Kultur, des Queen-Kult, der Traditionen und liebenswerten, höflichen Menschen. In London vereinte sich ein kunterbuntes multikulturelles Commenwealth auf komprimiertesten Raum, in der größten Stadt Europas. Und genau da wollte ich unbedingt hin. London wollte ich für ein Jahr unsicher machen.

 

 

Ein paar Jahrzehnte später bin ich wieder zurück in London. Diesmal nicht, um als Au-pair bei einer englischen Familie zu arbeiten, sondern um mich privat zu vergnügen und die Stadt aus einer anderen, neuen, wahrscheinlich viel erwachseneren Perspektive zu erleben. Und ja, London hat sich seit damals sehr verändert. Alles scheint deutlich sauberer geworden zu sein, insbesondere die Luft, die von den einst stinkenden Abgasen befreit wurde. Was ich sehe sind immer noch die roten Doppeldeckerbusse, die  als hochmoderne Elektrovehikel die alten miefigen Abgasschleudern ersetzt haben. Vorbildlich, denke ich! Diese Metropole scheint Vorreiter für alle anderen europäischen Großstädte zu sein. Und ich rieche, ja, ich rieche tatsächlich frische, saubere Luft. Es macht Spaß durch London zu flanieren. Irgendwie ist alles auch ein wenig leiser geworden. Nur die Menschenmassen, die sich teils wie Ameisen durch die Straßen quälen, sind erschreckend, anstrengend und für mich ein wenig zu viel. London platzt fast aus allen Nähten, jeder will diese hippe Stadt erkunden, inhalieren bis auf die letzte Sehenswürdigkeit. Ich starte von Convent Garden aus, meinem Lieblingsplatz in London. Dort befindet sich das Royal Opera House und eben Covent Garden mit seinen kleinen pittoresken Boutiquen und handwerklichen Märkten.

 

 

Ruhig ist es in Convent Garden. Ganz besonders, wenn man frühmorgens gegen 09:00 Uhr über den großen Platz spaziert. Kaum eine Menschenseele ist jetzt schon unterwegs. Die Geschäfte sind geschlossen und das "Window-Shopping" bereitet mir eine Heidenfreude. Einfach mal nur die Nase an den jeweiligen Schaufenstern platt drücken und den Geldbeutel schonen. Auch Inspiration kann beglückend sein. Beim Erkunden des Areals kommen relativ schnell bei mir Frühlingsgefühle auf, denn überall, wo man auch hinschaut, erblickt man opulente Blumenarrangements an Geschäften, Pubs und Bänken. Aus Kübeln wächst und blüht es ebenfalls. Doch, Achtung, beim näheren Hinschauen, wird offensichtlich, dass ganz viele der prächtigen Blumendekorationen künstlich sind. Der Engländer liebt Blumen, aber wohl auch Kunstblumen jeglicher Art. Ich bin dennoch fasziniert, sind die geschmackvoll arrangierten Gestecke ein absoluter Genuss für´s Auge.

 

Nachdem ich so eine geschlagene Stunde von Geschäft zu Geschäft gelaufen bin, wird es langsam lebendiger am Convent Garden. Die Geschäfte schließen auf, die Händler bauen ihre Stände auf, um auf dem Apple Market ihr Handwerk auszustellen und zum Verkauf anzubieten. Ich marschiere neugierig dorthin, wo das Treiben immer bunter wird. Toll, was es dort alles zu sehen und zu bestaunen gibt. Handgefertigte Budapester Damenschuhe in modischen Farben, selbstgefertigter Unikatschmuck zu erschwinglichen Preisen, Zeichnungen, modische Einzelteile, alles individuell und besonders. Kaum kann ich mich lösen von dieser kreativen Vielfalt, die mich umgibt. Doch ich habe noch einiges vor. Weiter zieht es mich durch die engen Gassen der Stadt in Richung Trafalgar Square, wo ich in der Nationalgallerie einen Zwischenstopp einlege. Die Gemäldeausstellung ist beeindruckend und umfasst einen riesigen Schatz an alter und moderner Kunst, von der barocken Malerei bis hin zum Impressionismus findet sich dort alles, was in der Kunst Rang und nahmen hat.

 

 

Da ich leider nicht viel Zeit in London verbringen werde und gerade mal 2 knappe Tage für meinen Sightseeing Trip, inklusive Opernbesuch veranschlagt habe, reicht es noch für einen Besuch auf der Regent Street, die High End Fashion Meile schlechthin und auf einen Abstecher in die bekannte Carneby Street, die kleinere, individuellere Boutiquen und Restaurants anzubieten hat. Und überall, wo ich gehe und stehe, lächeln mich bunte Blumen von Shopfassaden, Eingangsbereichen oder auch von Balkonen an. London ist zwar im Zentrum nicht grün, aber blumig geschmückt- und das verzaubert ungemein. Regent Street und Oxfort Street, die sich mittig am Oxford Circus überschneiden nehmen sich von der Vielzahl an Geschäften nicht wirklich viel, nur das in der Regent Street hochpreisige Läden, wie Ted Baker und Karen Millen, in der Oxford Street Modeketten, wie Zara und Co. vertreten sind - und das gleich mehrmals. Ich frage mich, wer das alles kaufen soll? Erschöpft von meiner Runde, die mich vom Convent Garden zum Trafalgar Square in die Regent und Oxford Street führt, kehre ich in mein Hotel in Camden zurück, um mich für die heutige Opernaufführung: La forza del destino, Verdi´s meisterhaftes Melodram, in Schale zu werfen. Der Opernbesuch wird der krönende Abschluss meiner London Reise, die zwar kurz, aber durchaus intensiv war. Danach muss ich wieder zurück in meine Heimat. Leider schafft man London nicht an einem kurzen Wochenende. Ob eine Woche überhaupt dazu ausreicht, alle Sehenswürdigkeiten in- und auswendig zu kennen, bleibt ebenfalls in Frage gestellt. Sicher ist nur, diese Stadt ist jedes Mal aufregend und zum Glück will man immer wieder kommen, weiß man doch, dass man längst nie alles wirklich gesehen haben kann. Deshalb: See you soon in London!

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