von burgen, wilden rittern und okkulter hexenzauberei

WANDERABENTEUER IN DER WESTLICHEN EIFEL

13. JUNI 2020

©Nicole Hacke / Blick von der Kleinen Kanzel auf Neuerburg

Auf den Spuren des Mittelalters begebe ich mich heute auf eine besondere Höhenwanderung rund um das Enzstädtchen Neuerburg in der westlichen Eifel. Von sagenumwobenen Geschichten über Minnesänger, liebestolle Ritter, tragische Burgfrauen und allerlei Hexen-Hokuspokus angelockt, mache ich mich neugierig und frohlockend auf meine 13 km lange Erkundungstour, die mich einmal um den mystischen Ort mit seiner zauberhaften Burg führt.

 

Vom Ortskern in Neuerburg ausgehend, windet sich eine steile Treppe kaskadenartig unterhalb der alten Pfarrei direkt hinauf zur Burgruine, die 1926 zu einem beachtlichen Teil wiederaufgebaut wurde und heute ausschließlich als Jugendherberge genutzt wird. Frei zugänglich für den gemeinen Touristen sind der Innenhof, die Kapelle und der Ruinenteil, von dem aus man atemberaubende Ausblicke auf das umliegende Tal hat.

 

Doch bevor ich die mittelalterliche Festung anpeile, mache ich noch einen kurzen Abstecher über den üppig begrünten und bepflanzten Kurpark, der mich kurz vor den Ausläufern des Luftkurortes ein moderat steiles Wegstück auf schmalem Pfad durch schattig bewaldete Fläche führt.

 

©Nicole Hacke / geschichtsträchtiger Ortskern von Neuerburg

Noch sind die 588 Höhenmeter, die ich auf dieser Rundtour überwinden muss, längst nicht geschafft. Dennoch gehe ich hoch motiviert und voller Elan stetig bergauf und erfreue mich am sonnigen Bilderbuchwetter.

 

Nach nur weniger als 10 Gehminuten verläuft der Wanderweg eben ab, und ich kann zum Glück ein wenig durchatmen. Auch wenn ich es gerade nicht zugeben mag: die Hitze schlaucht schon sehr!

 

Weiter auf lauschiger Höhe erreiche ich alsbald den Hexentanzplatz, der an eine wahre Begebenheit und damit an die Gräueltat einer Bürgerin, namens Magdalena Pircher, erinnert, die als Hexe verurteilt auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

 

©Nicole Hacke / vor dem Burggarten unterhalb der Burg Neuerburg

©Nicole Hacke / Rosenpracht vor dem Burggarten

Ihr Giftanschlag am Burgfräulein von Leuchterarberg sorgte im Ort für große Aufregung, versetzte die gutgläubigen Bürger in Angst und Schrecken und inspirierte die Schriftstellerin Marita Spang, ihren Historienroman "Hexenliebe", der in der Eifel spielt, auf der Faktenlage dieser wahren Geschichte zu basieren.

 

Fasziniert von all den realen Schauermärchen um Hexenverfolgungen ziehe ich weiter in Richtung Burg. Schweißgebadet verschnaufe ich nach einem knackigen Anstieg, der mich vorbei an der Pfarrei und dem verwunschenen Burggarten durch den imposanten, mächtigen Torbogen der Ruine führt, vor der Burgmauer.

 

Im begrünten Innenhof finde ich Schutz vor der gnadenlos brennenden Sonne. Und nicht nur das! Meine Anstrengungen werden durch ein herrliches Panorama auf den unter mir ruhenden Ort belohnt .

 

Friedlich scheint er in der Mittagsglut vor sich hinzudösen, fast so wie ein schlafender Hund. Dass dieses einsame zurückgenommene Kleinod einmal Schauplatz von Mordanschlägen, Intrigen und ritterlichen Duellen gewesen sein soll, kommt mir momentan so gar nicht in den Sinn.

 

©Nicole Hacke / Burg Neuerburg in der Eifel

©Nicole Hacke / in den Kellergewölben der Burgruine

©Nicole Hacke / Rosenpracht an mittelalterlichen Mauern

Vom ritter Kuno, der 700-jährigen eiche und dem schwarzbildchen

Nachdem ich mir in aller Ruhe den Innenhof, die Kapelle und das Kellergewölbe des gut erhaltenen Areals angeschaut habe, und ich mich aus Letzterem kaum rühren möchte, so belebend ist die erfrischende, wohltuende Kühle, setze ich meine Etappe dennoch weiter fort.

 

Durch den Innenhof den Torbogen passierend, tauche ich linker Hand auf vorerst kurvenreicher Fahrstraße nach nur wenigen Minuten in die sattgrünen Irrungen der lieblichen Waldoase ein.

 

Nun immer der Nase nach, mit leichtem Gefälle, spaziert es sich entspannt und sogar meine Beine verselbstständigen sich ohne weitere Müh und Not.

Zu keinem Zeitpunkt erscheint mir die Wanderung auch nur im Ansatz langwierig oder gar schwierig, da es immer wieder historische Rückzugsorte und kleinere, denkwürdige Stätten gibt, welche die 13 km mittelschwere Etappe markieren.

 

So komme ich daher relativ zügig voran und sichte alsbald die 700-jährige Eiche, in der sich Ritter Kuno nach einem erbitterten Kampf um die Gunst des Burgfräuleins Ida vor seinem Rivalen in Sicherheit brachte.

 

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke / Wandern auf schmalen, lauschigen Waldpfaden

©Nicole Hacke / das Schwarzbildchen und die 700-jährige Eiche

Dankbar für seine Rettung stiftete Ritter Kuno eine Marienstatue, die heute aufgrund der durch Kerzenruß verursachten Patina als "Schwarzbildchen" bekannt ist.

 

Der nächste größere Streckenabschnitt führt nun durch weniger panoramareiche Waldläufe. Auf überwiegend breit ausgebauten Wanderwegen geht es mal auf und mal ab, bis ich nach ca. einer Dreiviertelstunde den Waldsaum erreiche, ins Licht hinaustrete und auf einer Anhöhe über ausgedehnte Grünflächen meines Weges weiterziehe.

 

©Nicole Hacke / auf einer Anhöhe durch lichtdurchflutete Wiesen

©Nicole Hacke / Blumen soweit das Auge reicht

©Nicole Hacke

wild wachsende Orchideen in der eifel

Die schweißtreibenden Temperaturen scheinen mittlerweile ihren Zenit erreicht zu haben. Die Luft ist wie zum Durchschneiden und ich bin froh, nach gerade mal 20 Minuten wieder in die Waldatmosphäre eintauchen zu können.

 

Auf einer Lichtung sichte ich zu meinem großen Erstaunen ein Farbenmeer aus rosa-violetten, langstieligen Blumen, die aus der Ferne wie Fingerhut anmuten. Fast überall in den beschatteten Waldabschnitten, die ich bisher durchwandert habe, hat mich die äußerst giftige Schönheit meines Weges begleitet.

 

Doch beim Nähertreten bemerke ich sogleich, dass die Ähnlichkeit mit der wild wuchernden, bunten Blumenpracht, die sich als Eifel-typische Orchideenart entpuppt, nur frappierend ist.

 

©Nicole Hacke / rosafarbene Orchideen, die wild in der Eifel blühen

©Nicole Hacke / inmitten von Orchideen

©Nicole Hacke / Orchideen in der Eifel

Wunderschön anzusehen und viel zu schade, um nicht für die Ewigkeit festgehalten zu werden, schieße ich ein paar Fotos als bleibende Erinnerung an diesen bislang herrlich erlebnisreichen Tag. Ich bin irgendwie schockverliebt in diese einzigartige, unverwechselbare Landschaft der Eifel und ebenso fasziniert von der besonders ausladenden und vielseitigen Flora, die überall auf Schritt und Tritt meinen Weg säumt.

 

In der Nähe eines kleinen Bachlaufs, an dem sich zwischen dichten Baumgruppen ein verlassenes Landhaus versteckt, überquere ich zuerst das kaum knöcheltiefe Bachbett und dann die in wenigen Metern angrenzende Hauptstraße, die das Tal in zwei Teile spaltet. Auf der gegenüberliegenden Seite setze ich sodann meine Rundtour zügigen Schrittes fort.

 

Steil windet sich der kleine Trampelpfad durch rauschendes Laubgeäst, das genügend Sauerstoff in die überhitzte Atmosphäre abstößt und mir zugleich ausreichend Schatten spendet.

 

Es läuft sich immer geschmeidiger, ganz besonders weil der abwechslungsreiche Pfad immer wieder schöne und landschaftlich reizvolle Weitblicke auf das Tal der Enz offenbart.

 

©Nicole Hacke / Landhaus inmitten der opulenten Natur

©Nicole Hacke / wunderschöner Goldmohn am Wegesrand

©Nicole Hacke / Bachlauf vor Überquerung der Talsenke

In sanften Serpentinen ansteigend, erreiche ich alsbald wieder die avisierte Höhe und lasse den romantischen Waldpfad, der auch als Mountainbike-Trail äußerst reizvoll erscheint, zugunsten eines breiteren und bequemeren Waldweges hinter mir.

 

So wandere ich noch eine geschlagene Stunde auf konstanter Höhe vor mich hin und vergesse langsam die Welt um mich herum. Vogelgezwitscher dringt von überall, aus allen Baumwipfeln an mein Ohr. Ansonsten ist die Natur so gut wie still.

 

Doch plötzlich vernehme ich ein lautes Getrampel aus unmittelbarer Nähe abrupt verstummen. Als ich meinen Blick vorsichtig in Richtung der Geräuschkulisse wende, steht wie angewurzelt ein bezaubernd anmutiges Jungreh nur ein paar Meter von mir entfernt. Noch hat es mich nicht gewittert und auch nicht bemerkt. Doch seine Haltung signalisiert Anspannung und ist auf Flucht ausgerichtet.

 

©Nicole Hacke / Wanderwege Delux in der Südeifel

Ich versuche, mich leise heranzupirschen, um ein einmaliges Foto zu schießen. Doch leider verursacht das knackende Gestrüpp auf dem Waldboden unter meinen Wanderschuhen alarmerregende Laute, und kaum das ich mich versehe, schießt das junge Tier panisch und angsterfüllt wie ein Blitz an mir vorbei und ward nicht mehr gesehen.

 

Was mir bleibt, ist der einzigartige Moment an eine fast intime Begegnung, die ich nun in meiner Erinnerung festhalten werde.

 

Schwungvoll und mit einem beglückenden Gefühl im Schlepptau laufe ich extrem motiviert durch mittlerweile dunklen Tannenwald. Nach einer weiteren knappen Stunde erreiche ich die Kreuzkapelle, die auf einer kleinen Lichtung gelegen zur Rast unter schattenspendenden Baumkronen einlädt. Aus näherer Distanz höre ich es aus der Stille des Waldes heraus leise summen. Irgendwo müssen ganz viele Bienen umherschwirren.

 

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke / unterhalb der Kleinen Kanzel

Neugierig folge ich der stetig intensiver werdenden Kakophonie und erspähe aus sicherer Entfernung durch eine Breite Heckenöffnung einen Imker, der umringt von einem großen Bienenschwarm seinen Bienenstock samt Bienenstab begutachtet und dabei fast meditativ hoch konzentriert und akkurat seiner Arbeit nachgeht.

 

Jeder Handgriff scheint zu sitzen. Zum ersten Mal in meinem Leben werde ich Zeuge dieses sicherlich nicht ganz ungefährlichen Schauspiels der tanzenden und umher schwirrenden Bienen, in dessen Mitte der Imker ruhig und kontrolliert seinem Handwerk eifrig nachgeht.

 

Fasziniert verweile ich eine Sekunde länger an Ort und Stelle als geplant.

 

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke / Ruine

©Nicole Hacke / Panorama auf Neuenburg  von der Großen Kanzel

©Nicole Hacke / Panorama auf Neuerburg von der Kleinen Kanzel

Dann zieht es mich weiter auf meiner letzten Etappe zurück in das pittoreske Neuerburg. Kurz vor meiner Ankunft im Ortskern erlebe ich beim Verlassen des Höhenwanderweges die wohl traumhaftesten Ausblicke auf den friedlichen Ort. Sowohl von der "Großen Kanzel" als auch von der "Kleinen Kanzel" können die Bildaufnahmen, die ich dort produziere nicht beeindruckender und malerischer sein.

 

Das Beste kommt also meistens immer erst zum Schluss.


©Nicole Hacke

Tourenbeschreibung:

 

Neuer-Burg-Rundwanderweg

 

Länge: 12,7 km

Höhe: 588 Höhenmeter

Lage: Höhenweg

Dauer: 3- 4 Stunden je nach Gehtempo

Schwierigkeitsgrad: mittel -  Kondition erforderlich!

 

Ausrüstung: Funktionsbekleidung, Wanderschuhe, Rucksack, Proviant und ggf. Teleskopstöcke

 

Unterhalb der Pfarrkirche St. Nikolaus nahe des Ortskerns von Neuerburg startet der Rundwanderweg über ein steiles Treppenstück hinauf zur Burgruine. Von dort geht der Wanderweg moderat durch bewaldetes Areal anfangs bergab und windet sich dann über weite Streckenabschnitte stetig bergauf, bis er nach ca. halber Wegstrecke auf der finalen Höhe von 588 Höhenmeter angelangt.

 

Vorbei an der 700 Jahre alten Eiche und dem Schwarzbildchen führt der romantische Höhenweg durch lauschige Buchenwälder und legt immer wieder herrliche Panoramablicke auf das Tal der Enz frei.

 

Gegen Ende der Wanderung gelangt man von der "Großen Kanzel" über die "Kleine Kanzel" zurück zum Marktplatz von Neuerburg.


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