abtauchen in die waldatmosphäre

29. MAI 2020

UNAUFGEFORDERTE WERBUNG

©Nicole Hacke / Harburger Berge

Schon als Kind hatte ich immer Beklemmungen, wenn es sonntags hieß, es würde zum Ausflug in den Wald gehen. Wahrscheinlich lag das an den vielen Märchen, die ich fasziniert verschlang wie keine anderen Geschichten, die mir aber ebenso viel Angst einjagten, spielten sie sich doch fast immer in einem tiefen, dunklen, von dichten Baumreihen überwucherten, undurchdringlichen Naturpark ab.

 

Dort an jenem düsteren Ort nämlich, wo Hänsel und Gretel sich verliefen und von der bösen Hexe gekidnappt wurden, um danach genüsslich verspeist zu werden, zog es mich, wenn überhaupt, nur widerwillig hin.


Ich liebte ausgedehnte Spaziergänge und abenteuerliche Ausflüge in die Natur. Dennoch wollte ich weder wie das junge Geschwisterpärchen enden, das sich zwar am Ende aus den Fängen der Hexe befreien konnte, noch wollte ich wie Schneewittchen orientierungslos im Dickicht eines unübersichtlichen Waldgebiets umherirren, um vor dem Auftragskiller der garstigen Schwiegermutter zu fliehen.


Der Wald! Seit jeher fasziniert er die Menschen auf unterschiedlichste Art und Weise. Mal ist er ein mystischer, geheimnisvoller Ort, der eine morbide Magie versprüht, uns erschauern lässt, wenn dicke Nebelschwaden ihr Unwesen in den kahlen, knorrigen Baumkronen treiben, geisterhafte Gebilde konstruieren und dabei unsere lebendige Fantasie mit uns durchgehen lassen.


Dann wiederum zeigt er sich von seiner lieblichsten Seite, wenn im Frühjahr die ersten grünen Triebe und Blätter aus den Astwerken schießen und die Baumkronen ihr üppig, dichtes Sommergewand peu à peu wieder anlegen.


Scheint die Sonne dann noch mild durch die noch lichten Baumwipfel, wird uns wohlig warm ums Herz. Erfrischend grün zeigt sich der Wald dann in all seinen nuancierten Farbabstufungen, die nicht nur das Auge verwöhnen, sondern auch Geist und Seele zur Ruhe kommen lassen.

 

©Nicole Hacke

Wenn sich eine beruhigende Stille über den Wald legt, die nur von einem melodiösen Schleier konzertanten Vogelgezwitschers durchbrochen wird, fühlen wir uns befreit, eins mit uns selbst und beinahe schon verschmolzen mit den Lauten, Klängen und Geräuschen, die uns umgeben.


Wir tauchen ein in die Waldatmosphäre, wie in einen See, lassen uns treiben, lassen allen Ballast los, erzwingen nichts, spüren unseren Atem, unseren Herzschlag, nehmen uns bewusst und ungefiltert wahr, horchen in unser Innerstes, fragen, wie es uns geht. Sind wir nervös, unruhig, verstimmt, gereizt, angespannt oder etwa freudig, aufgeregt, ruhig, gelassen und ausgeglichen?


Wichtig scheint nur noch der Moment, das, was uns bewegt oder gerade nicht bewegt. Im Wald unter der dichten Baumkronendecke wird die Seele gewärmt. Fast gleiten wir, wie in einem Schwebezustand vor uns hin. Die Beine tragen uns ganz selbstverständlich durch das grün der Waldlandschaft. Dabei ist es irrelevant, wohin wir gehen, welchen Weg wir einschlagen und welches Ziel wir verfolgen.
Allein das Einswerden mit der Natur zählt. Haben wir ein paar Stunden im Wald verbracht, sind wir plötzlich wie ausgewechselt. Stress, Kummer, Unruhe, was auch immer uns physisch zugesetzt hat, ist nun im Wald zurückgeblieben. Die emotionale Last, die wir schwer mit uns rumgeschleppt haben, irgendwo auf dem Spaziergang verloren gegangen.

 

©Nicole Hacke / Harburger Berge

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke / Harburger Berge

Doch wie kann das sein?

 

Schon beim Betreten eines Waldstücks werden wir von einem Vakuum aus Lärmisolation umgeben, das externe reizüberflutende Faktoren, die uns permanent im Alltag beschallen und unser vegetatives Nervensystem non-stop auf Trab halten, auf der Stelle eindämmt.


Zudem bekommen wir im Wald einen absoluten Sauerstoffschub, der unserem Körper die Energie zurückführt, die durch umweltschädliche Abgase über den Tag verloren gegangen ist. Oft erleben wir uns müde, erschöpft, abgespannt und fahrig, können uns kaum noch konzentrieren und die Gedanken schwirren im Kreis umher, wie ein Karussell in Dauerschleife.


Just in dem Moment, wo wir in die Ruhe des Waldes eintauchen, tief ein und ausatmen, unseren Blick in die abergrüne Waldwelt schweifen lassen, stoppt unsere Gedankenflut, unsere Sinne werden wieder geschärft und wir nehmen nicht nur die Stille, die wenigen, aber intensiven Geräusche um uns herum wahr, sondern lauschen auch ganz bewusst wieder unserer inneren Stimme.

 

©Nicole Hacke / am Kaiserstuhl

Das Chaos in unserem Kopf löst sich auf, wie ein verheddertes Wollknäuel und auf einmal sehen wir wieder klarer.


Durch die zusätzliche Bewegung an frischer Luft, mobilisieren wir zudem unseren Körper, geben ihm Kraft und Ausdauer, machen ihn stark und flexibel. So gehen wir nicht nur aufrecht mit erhobenem Haupt selbstbewusst durchs Leben, sondern bleiben auch geistig fit und ständig in Bewegung.

 

Denn durch die körperliche Aktivität wird auch der Geist gefordert und bleibt agil, statt träge auf dem Sofa vor sich hinzuvegetieren.

 

©Nicole Hacke / Harburger Berge

©Nicole Hacke

Welchen Einfluss hat das Waldgrün auf unser Befinden?

 

Grün, grün, grün sind alle meine Kleider. Und der Wald hat derlei viele Gewänder in den unterschiedlichsten Grüntönen.

 

Für das Auge beruhigend, ist der Blick ins Grüne niemals anstrengend, sondern stärkt den Sehnerv für alle anderen Eindrücke. Regenerierend und erfrischend, bewirkt die Farbe Grün, dass wir uns energetischer und positiv gestimmter fühlen.


In der medizinischen Farbtherapie gilt Grün sogar als Farbe, die den Rhythmus von Herz und Nieren austariert.

 

Wozu also noch lange warten! Ab in den Wald und soviel Kraft tanken, wie nur möglich, denn die können wir in diesen volatilen Zeiten gerade richtig gut gebrauchen.

 

©Nicole Hacke / Harburger Berge

Und was hat es eigentlich mit Waldbaden auf sich?

 

Scheint Waldbaden ein ziemlich neumodischer Trend zu sein, so ist es doch eher eine alte, bereits erprobte Praxis, die von müden Großstädtern erst wiederentdeckt wurde.


Genau genommen haben das Waldbaden die Japaner erfunden. Dort nennt man den gehypten Trend „Shinrin Yoku“, was so viel bedeutet wie „In die Waldatmosphäre eintauchen“. Dabei geht es einfach nur darum, im Wald zu verweilen, seine Sinne zu schärfen, sich komplett auf die Natur zu fokussieren, um sich dabei zu erholen und sein Immunsystem nachhaltig zu stärken.


Hierzulande gibt es mittlerweile sogar Waldbademeisterinnen, die einen in die hohe Kunst des Waldbadens einführen.

 

Doch bereits ein ausgedehnter Spaziergang (und das regelmäßig) reicht völlig aus, um das Immunsystem zu pushen, unseren Geist nachhaltig zu beruhigen und die Seele einfach mal nur baumeln zu lassen.

 

©Nicole Hacke / Harburger Berge

Na, wenn das mal keine wunderbare Alternative zu unserem bislang schnelllebigen Alltagsrythmus ist. Viel öfter sollten wir uns ein Waldbad gönnen, denn was kann es Schöneres geben, als Körper und Seele im Einklang zu wissen.


Wer nicht so gerne in den Wald geht oder genau wie ich ein beengendes Gefühl verspürt, sobald sich die Bäume über einem verdichten, dem sei gesagt, dieses ungute Gefühl geht schnell vorbei.

 

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke / Niendorfer Gehege Hamburg

Bereits nach einer knappen halben Stunde will man einfach immer mehr. Mehr von den faszinierenden Tiergeräuschen, mehr von dem säuselnden Wind in den Wipfeln, mehr von dem grünen Naturzauber und soviel mehr von der Ruhe, die einem der Wald offeriert.


Und das Angebot ist dazu noch völlig kostenfrei. Also, einfach zugreifen, denn Entspannungstherapien für das gesamtheitliche Wohlbefinden muss man woanders meistens ziemlich teuer bezahlen.

 


 

Tipps für das Waldbaden in der Region Hamburg:


Sachsenwald - www.sachsenwald.de

Niendorfer Gehege - www.hamburg.de

Schwarze Berge - www.hamburg.de


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