(R)auszeit in den Bergen

19. FEBRUAR 2020

UNAUFGEFORDERTE WERBUNG

Im Trettachtal ©Nicole Hacke

Ich gebe es zu! Wenn ich genervt bin vom Großstadtmief, dem ewig penetranten Dauerlärm auf den stark frequentierten Straßen, den hochgestressten Menschen, die tagein tagaus von einem öffentlichen Verkehrsmittel zum nächsten hetzen, nur um pünktlich auf der Arbeit zu erscheinen, sehne ich mich immer häufiger nach einer (R)auszeit, die für mich dort stattfindet, wo die Welt noch in Ordnung ist: nämlich in den Bergen!


Die Alpen sind mein Kraftort, an dem ich Innehalten, mich Ausruhen sowie meinem Körper und meiner Seele einer ganzheitlichen Therapie unterziehen kann, aus der ich unglaubliche Kraft schöpfe, meine Batterien wieder vollends auftanke und mich so energetisiert wie sonst nie fühle. Oftmals frage ich mich, was die Magie dieser einzigartigen Natur überhaupt ausmacht, dass aus mir plötzlich ein komplett neuer Mensch wird, aus dem der Tatendrang sprudelt wie aus einer nicht versiegen wollenden Quelle.


Es liegt wohl eindeutig am Rascheln der Bäume, dem Plätschern der kristallklaren und eiskalten Gebirgsbäche, dem melodiösen Zwitschern der Vögel, den lieblich duftenden Blumenwiesen im Sommer und den zauberhaften Panorama-Ausblicken auf erhabene, majestätische Bergmassive.

 

In Spielmannsau im Trettachtal ©Nicole Hacke

Es liegt an der Sauerstoffübersättigung, dem Radon Gas, das die Bäume absondern und dem Sauerstoff beimischen, damit der Mensch, wie unter Drogenzufuhr, nicht nur endorphingetränkt, sondern vielmehr in einem rauschähnlichen Zustand, wie wahnsinnig fast, die Berge hinauf und wieder hinunter kraxelt, so als ob er nie etwas anderes im Leben getan hätte.


Die Berge sind ein Ort für alle Sinne. Mit den Augen nimmt man die Schönheit der Natur wahr, saugt die unzählbar vielen Grüntöne der Wälder und Wiesen in sich auf, ergötzt sich an den türkisblauen Farben der Gebirgsseen, die in der Karibik nicht schöner sein könnten, verfällt den markanten Felsformationen, die aus den unterschiedlichsten Perspektiven betrachtet, immer wieder anders aussehen und hat am Ende das gute Gefühl alle Farb- und Formreize vollends ausgeschöpft zu haben.

 

Auf dem Weg nach Spielmannsau im Trettachtal ©Nicole Hacke

Und auch das Ohr wird plötzlich auf ganz andere Geräusche trainiert. Deutlich reduzierter gestaltet sich das Grundrauschen, denn der Großstadtlärm wird hier gegen absolute Stille ersetzt.


Man hört erst mal nichts, bis man sein Gehör auf eine Frequenz justiert hat, wo man auf einmal den minimalsten Pieps überdeutlich wahrnimmt. Aus dem Nichts der Stille lauscht man dem leisen Säuseln des Windes, nimmt das Rauschen in den Wipfeln wahr, hört den Kuckuck aus weiter Ferne rufen und ja, sogar seinen eigenen Atem und seinen Herzschlag hört und spürt man überdeutlich.


So völlig bei sich selbst angekommen und alle Sinne beieinanderhabend, erlebt man auch intensiv die Schritte, die man geht. Der Körper ist unter Anspannung, die Beine sind fokussiert auf die Unebenheiten des steilen und unebenen Bergpfads. Jeder Tritt muss sitzen. Konzentration ist jetzt hochwichtig und eine unerlässliche Ressource, um sich nicht leichtfertig in Gefahr zu begeben.


Wer nämlich an schwindelerregenden Abgründen stolpert, begibt sich oftmals in eine fatale Situation. Aber gerade das Fokussieren auf den Weg, das kontrollierte Gehen und die Anspannung in den Muskeln, lassen uns unseren Körper wieder spüren, machen das Wandern zu einem Erlebnis der eigenen Körperwahrnehmung, die so intensiv und bewusst passiert, dass wir am Ende des Tages jede Muskelfaser spüren und sogar das Zwicken in unseren Arschbacken wahrnehmen.

 

Am Christlesee im Trettachtal ©Nicole Hacke

Unser Körperbewusstsein wächst, wir gehen wieder aufrechter und gestärkter durch den Tag. Wir gewinnen an Leichtigkeit, nicht nur in den Beinen, Armen und im Oberkörper, sondern auch im Geist. Unsere Gedanken fließen, die Kreativität schafft sich einen enormen Raum in unseren Gehirnwindungen. Es sprudelt tatsächlich an allen Enden und Ecken in und aus uns raus, ohne Druck und ohne Stress.


Mit der Entschleunigung, die durch die extreme körperliche Ertüchtigung einhergeht, wird der Geist so dermaßen geklärt, dass es sogar zu einem Gedankenstopp kommen kann und man total entleert ist. Das Gefühl, den Kopf tatsächlich mal freizubekommen, ist ein Gefühl wie auf Wattewolken schwebend, leicht und schwerelos.

 

Im Trettachtal ©Nicole Hacke

Und auch die Erschöpfung nach einer ausgedehnten Wanderung entspricht nicht im entferntesten Sinne dem "Schwerezustand" nach einem harten und geistig fordernden Arbeitstag.


Vielmehr kommt diese Art des "Erschöpft-Seins" einem absoluten Entspannungsgefühl gleich. Man ist müde, aber nicht ausgelaugt, nicht geistig leer, sondern so übervoll mit Erlebnissen, dass man selig in einen tiefen und gesunden Schlaf fällt. Schwer wie ein Stein, schlummert man dann vor sich hin und wacht erholt, frisch und voller Tatendrang am nächsten Morgen wieder auf, nur, um das nächste Abenteuer anzupacken.


Die Berge und die Natur, das Leben in der absoluten Stille, umgeben von dörfischer Geruhsamkeit, birgt für mich einen Reiz und einen Zauber, dem ich mich nie entziehen kann und wonach ich mich ständig sehne. Fast sind mir die Alpen schon zu einem Grundbedürfnis geworden, das mangelhaft erfüllt, nach permanenter Befriedigung giert.


Wenn Ihr verstehen wollt, was mir meine (R)auszeit in der Natur, umgeben von atemberaubenden Bergpanoramen an Mehrwert bringt, dann probiert das einmalige Erlebnis inmitten der unberührten Natur doch einmal selbst aus. Ihr werdet sehen, auch Euch wird dieser Tapetenwechsel mindestens gut bekommen, wenn nicht sogar ein komplett neues Lebensgefühl in Euch wecken.

 

Eure

 

In Spielmannsau im Trettachtal ©Nicole Hacke

Tipps für (R)Auszeiten in den Bergen oder anderswo:

 

 

Waldbaden:

 

Schon mal etwas vom Waldbaden gehört? Ein ziemlich neumodischer Trend oder doch eine alte, erprobte Praxis, die von müden Großstädtern erst wiederentdeckt wurde? Genau genommen haben es die Japaner erfunden. Dort nennt man den gehypten Trend "Shinrin Yoku", was so viel bedeutet wie "In die Waldatmosphäre eintauchen". Dabei geht es einfach nur darum, im Wald zu verweilen, seine Sinne zu schärfen, sich komplett auf die Natur zu fokussieren, um sich dabei zu erholen und sein Immunsystem nachhaltig zu stärken. Hierzulande gibt es mittlerweile sogar Waldbademeisterinnen, die einen in die hohe Kunst des Waldbadens einführen. Doch bereits ein ausgedehnter Spaziergang (und das regelmäßig) reicht völlig aus, um das Immunsystem zu pushen, unseren Geist nachhaltig zu beruhigen und die Seele einfach mal nur baumeln zu lassen. Gesund ist diese Alternative zur (R)auszeit in den Bergen in jedem Fall. Und Wälder, die man begehen kann, gibt es grundsätzlich überall!

 

 

Schneeschuhwandern:

 

Wohl die schönste Fortbewegungsmethode neben dem Skilanglauf oder der Skiabfahrt. Und obendrein kann man, rein theoretisch, sogar im Flachland Schneeschuhwandern, vorausgesetzt es liegt auch dort genügend Schnee. Intensiv und fordernd wird es jedoch in Gefilden mit Steigung. Ob leichtere Hügellandschaften oder vor herausfordernden Bergkulissen - Schneeschuhwandern trainiert die Beinmuskulatur, stärkt das Herz-Kreislaufsystem und macht unglaublich viel Spaß, ganz besonders dann, wenn der Schnee fast drei Meter hoch liegt, man querfeldein über Wiesen und Hänge hoch und runter watscheln kann und dabei manchmal sogar recht plump mit dem Gesicht nach vorne in den Schnee fällt, weil man leider mal wieder über seine Schneeschuhflosse gestolpert ist.

 

 

Wandertipps im Allgäu:

 

Da meine (R)auszeit mich vor ein paar Wochen nach Oberstdorf im Allgäu geführt hat, kann ich jedem von Euch wärmstens die zauberhaften Täler vor Ort empfehlen. Pure Magie und gerade im Winter eine verwunschene Welt, die so still und märchenhaft ist wie kaum eine andere Naturwelt. Die Belohnung wird einem erst am Ende der Täler zuteil, denn man braucht schon ca. 2-3 Stunden, bis man vor majestätischen Bergkulissen steht, die in gewaltiger Formation mächtig vor einem emporragen.

 

Täler:

 

Trettachtal - Spielmannsau

Stillachtal - Einödsbach

Rohrmoostal über Tiefenbach

Oytal  - Käseralp

 

 

Stecker ziehen - Smartphones Adé:

 

Bleibt unbedingt den Smartphones und seinen digitalen Freunden fern. Wer eine echte (R)auszeit erleben will, der kann sich nicht mit digitalem Müll belasten. Der Kopf will frei werden, die Gedanken ebenfalls. Und die Seele, vor allem die, möchte auch mal Ruhe und Entspannung erleben. Glücken kann das nur, wenn mal alles, was vom Wesentlichen ablenkt, auf Standby geschaltet wird. Ihr werdet merken, wie befreiend und erhebend dieses Gefühl des nicht "Erreichbar-Seins" tatsächlich ist. Am besten nehmt ihr die Entspannungsbremsen erst gar nicht mit in Eure (R)auszeit!

 

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