03. JUNI 2019



Das Ziel ist nicht der Weg!

Stellen wir uns vor, wie wären eine Schnecke! Wir könnten dann nicht so unachtsam und gehetzt durch die Welt laufen, nicht im Handumdrehen Sofortlösungen anbieten und auch nicht Multitasken. Wir wären schlicht keine Meister der Zeitoptimierung mehr. Nein, die Schnecke ist ein langsames Lebewesen, das ganz gemach, ohne auch nur die Geduld zu verlieren, bedacht vor sich hin kriecht. Schon beim bloßen Zuschauen, wird einem als Mensch dabei ganz anders. Nervös und ungehalten würde man selbst werden, müsste man im Schneckentempo seine Arbeit verrichten und sein Leben dabei meistern. Es ginge nicht. Oder etwa doch?

 

Doch die eigentliche Frage, ist gar nicht, wie schnell oder wie langsam wir an unser Ziel kommen, sondern, ob wir es überhaupt jemals erreichen. Insofern spielt der Faktor Geschwindigkeit nur eine untergeordnete Rolle bei diesem Gedanken, denn auch die Schnecke kommt letztendlich an ihr Ziel, obgleich sie gefühlt ein ganzes Leben dafür beansprucht.

 

 

Unter vergleichbar erschwerten Bedingungen bahnt sie sich ihren Weg nach vorn, aber wohin eigentlich führt sie dieser Weg? Kennt sie ihr Ziel, weiß sie, wohin sie will, wonach sie sucht? Und findet sie am Ende des Tages, nach langer beschwerlicher Wegstrecke, ihren tatsächlichen Endpunkt. Kann Sie dort, wo sie ankommt, ruhen und rasten? Findet sie Schutz vor den Gefahren der Natur? Hat sie Nahrung? Fakt ist, die Schnecke ist unzähligen Widrigkeiten der Natur ausgesetzt, in ihrer Motorik und ergonomischen Ausstattung benachteiligt und zu alledem noch blind. Nur mit ihren Fühlern kann sich sich zu ihrem Ziel vorwärts tasten, Hindernisse überwinden und umgehen. Aber sie sieht keinen Weg, erkennt keine lauernden Gefahren und tatsächlich weiß sie auch nicht, wohin sie kriecht. Sie wird geleitet nur von ihren Fühlern und ihrem Instinkt, der sie trügt oder nicht!

 

Letztendlich sind wir der Schnecke gar nicht so unähnlich. Wir sind zwar motorisch und ergonomisch von Natur aus bestens ausgestattet. Wir können unser Ziel meistens klar definieren und vor unserem inneren Auge deutlich ausmachen. Aber den Weg dorthin sehen wir, obgleich wir nicht blind sind, ebenso wenig, wie die Schnecke. Wir können ihn höchstens erahnen. Und dabei wissen wir noch nicht einmal, wie hart oder wie leicht wir uns das Ziel auf unserer höchst abenteuerlichen und unvorhersehbaren Wegstrecke erkämpfen müssen.

 

Genau diese Tatsache, lässt uns oftmals davor zurückschrecken unsere Ziele überhaupt zu verfolgen, denn die Ungewissheit, die uns auf unseren Wegen begleitet, ist die größte aller Urängste, die uns Menschen plagt und leider auch oftmals resigniert aufgeben lässt.

 

Dabei birgt allein schon der Versuch einen unbekannten, unvorhersehbaren Weg einzuschlagen, nicht nur die Chance auf Veränderung und Neuerung im eigenen Leben, sondern ermöglicht auch die absolute Abnabelung von einengenden, lebensverweigernden Mustern.

 

Die Schnecke erreicht ihr Ziel, nicht immer, aber meistens. Und nur weil sie durchhält und auf ihrer ungewissen Reise nie aufgibt, schafft sie das fast Unmögliche. Sie kommt irgendwann an. Und schafft sie die Tagesetappe einmal nicht, dann hat sie ihr Schneckenhaus, in dem sie Schutz und Geborgenheit finden kann - für den Moment!

 

Wir hingegen besitzten kein solches transportables Schneckenhaus, aber den Glauben an uns selbst, der uns zum Weitergehen beflügeln kann, der uns von unseren Ängsten befreit und uns in unserem Vorhaben stärkt. Aufgeben ist nie eine gute Option! Und wenn so ein Tier, wie die Schnecke, ihren Weg findet und mühsam entlang kriecht, was hält uns dann noch davon ab, es der Schnecke gleich zu tun? Schneller sind wir allemal.

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