28. JUNI 2019



Vom Glück der kleinen Dinge!

 
Das Glück der kleinen Dinge! Viel zu oft stolpern wir an ihnen vorbei und sehen sie gar nicht. Wir nehmen die kleinen, feinen, aber so wichtigen Dinge einfach gar nicht mehr wahr. Denn im Zeitalter der Superlativen, streben wir nach Höherem, nach immer mehr Konsum und Leistung und freuen uns somit auch nur noch über große Erfolge, große Geschenke und große Errungenschaften in unserem Leben. Wir orientieren uns paradoxerweise an dem materiellen Wohlstand unseres Gegenübers und setzten unsere eigene Messlatte gleich noch höher, so dass wir selbst mit Anlauf kaum noch über sie hinweg springen können. Nur kommt uns nicht einmal in den Sinn, wie es uns dabei gesundheitlich und seelisch geht. 
 
Diese Frage klammern wir kategorisch aus. Wir stellen sie uns ganz einfach nicht. Unser Leben scheint ein Selbstläufer zu sein, zumindest solange nichts Gravierendes dazwischen kommt. Unzerstörbar und unverwundbar, so sehen wir uns. Die Macher von heute, morgen und übermorgen! Nichts kann uns stoppen, denn es ist schließlich um unsere körperliche und genetische Verfassung bestens bestellt. Darum verschieben wir auch unsere Lebenszeit auf morgen oder übermorgen und rödeln tagtäglich ohne mal Inne zu halten in unserem selbstmörderischen Tempo auf der Überholspur 24 Stunden non-stop sinn- und kopflos so vor uns hin. 
 

 

Nur wofür tun wir das! Ist das Streben nach den Besitztümern dieser Welt so wichtig, dass wir uns alle selbst darüber hinaus vergessen. Leben wir noch für uns oder leben wir ausschließlich für das Hamsterrad, dass uns am Ende des Tages Geld verspricht, mehr und immer mehr Geld! Wir lassen uns kaufen und versklaven uns in einer Gesellschaft, die uns eigentlich nur ausbeuten will. Und die größten, unbarmherzigsten Ausbeuter in diesem System sind wir selbst. Wir sind die Gesellschaft, wir formen sie und wir machen sie zum dem, was sie letztendlich ist. Erst wenn es uns gesundheitlich schlecht geht und wir feststellen, dass unser höchstes Gut nicht unser Geld und unsere Reichtümer sind, sondern wir selbst uns am Wichtigsten sein sollten, dann und nur dann denken wir über den Sinn unseres Lebens nach.
 

 

Was wollen wir eigentlich mit unserem Leben machen? Was treibt uns an und um. Was sind unsere Leidenschaften für die wir brennen? In unserer Jugend wussten wir darauf eine Antwort. Aber die Jugend ist lange her und längst vergessen. Im Laufe der unzähligen Jahre, in denen wir nur an unseren Job, an die Anhäufung unseres Wohlstandes dachten und alles dafür taten, damit es uns finanziell blendend ging, vergaßen wir uns und das, was in unserem Leben wichtig sein sollte. Wir gaben uns im wahrsten Sinne des Wortes auf! Als leere Hülle hetzten wir fortan durch den Alltag und entfernten uns mit jedem Tag immer mehr von uns selbst, bis zur letztendlichen Selbstaufgabe. Es war ein schleichender Prozess. Zuerst kam die Verstimmtheit, dann die Agressionen und Wutausbrüche und ganz zum Schluß kam die Verzweiflung. Auf einmal waren wir ausgebrannt. Plötzlich waren alle unsere Batterien leer. Das Licht ging aus und es wurde dunkel in uns. Mit einer hemmungslosen Wucht wurden wir ohne Vorwarnung aus dem Hamsterrad unseres Alibi-Lebens hinaus katapultiert und fielen hart. Und das tat weh, furchtbar weh.
 

 

Denn plötzlich war da nichts mehr, was uns ausmachte. Geld und Status hatten sich in Luft aufgelöst. Was blieb, waren die schwachen Überreste eines Hoffnung versprechenden Lebens, dass wir lange vor unserer Zeit einmal versucht hatten zu leben.
 
Zeit heilt alle Wunden, sagt man. Und es dauert tatsächlich lange, bis wir endlich wieder aufstehen, uns aus unserer Schockstarre erheben und aus der Lethargie befreien. Noch länger dauert es, bis wir wieder lernen, die kleinen, aber für uns wichtigen Dinge unseres Daseins zu schätzen und zu begreifen, zu verstehen, was unser Motor ist, was uns antreibt und am Leben hält. Viel Zeit geht ins Land, bis wir uns wieder selbst finden, denn der Weg auf dem wir verlustig gegangen sind, war weit und lang. Der Weg zu uns zurück ist fast noch weiter und länger, wurde er doch mit Lügen und falschen Zielen gepflastert und scheint dadurch nun beschwerlicher als je zuvor. Die Wahrheit aufzudecken: ein quälender Prozess!

 

 

Erst die Erkenntnis, das unser Leben endlich ist, wir nichts auf diesem Planeten Erde aufschieben können, öffnet uns die Augen und den Blick auf die wirklich und wahrhaft wichtigen Dinge in unserem Leben. Mit diesem Bewusstsein ausgestattet, fängt man wieder an sich auf das Wesentliche zu fokussieren, seinen längst verschütteten Träumen eine Daseinsberechtigung zu geben, einfach zu versuchen, aus dem kurzen Leben, das mit jedem Tag einen Tag weniger wird, das Beste zu machen und um sein Glück zu kämpfen, Schritt für Schritt. Denn auch das Laufen auf unseren eigenen, noch nicht ganz gefestigtem Fundament müssen wir erst wieder erlernen.
Sind wir aber am Ende so weit gekommen, dass wir den Tag mit einem Lächeln beginnen und ihn damit auch wieder ausklingen lassen können, dann haben wir unser Glück wiedergefunden. Dann haben wir wohl verstanden, was das Glück der kleinen Dinge, die uns wichtig sind, bedeutet!
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