24. JUNI 2019



"The Bank" in Wien

 

Im Hotel Hyatt Wien, welches sich direkt im Herzen des Stadtzentrums befindet, versteckt sich ein absoluter Restaurant-Geheimtipp, wenn es um Kulinarik und hohe Genusswelten geht. Zwar darf man keinen zu großen Hunger mitbringen, da die Portionen, die man in der Brasserie & Bar des Restaurants "The Bank" kredenzt bekommt, doch recht übersichtlich, wenn nicht sogar ausgesprochen überschaubar sind. Allerdings wird dort der Gaumen in ganz besonderer Weise gekitzelt. Moderne Wiener Küche, bestehend aus den Klassikern wie Rehbraten, Wienerschnitzel und Kaiserschmarren werden genauso auf der Speisekarte angeboten, wie kleine Fingerfood-Gerichte und Burger im gehobenen kulinarischen Stil.

 

Angefangen mit dem ausgesprochen zuvorkommenden Service, wird man bereits am Eingang von einer Empfangsdame der überflüssigen „Mantelage“ entledigt und höchstpersönlich an den Tisch geführt. Sofort fühlt man sich als Gast gut aufgehoben. Die mit dunkelblauen Samt bezogenen Stühle sind bequem. Intimität ist außerdem garantiert, da die jeweiligen Tische weit genug auseinanderstehen und man nicht unbeabsichtigerweise das Gespräch am Nachbartisch mithören muss. Es fällt sogleich auf, dass das Mobiliar zwar klassisch schlicht ist, sich aber dennoch in die altehrwürdige Halle einer ehemaligen Bank im Wiener Jugendstil unauffällig einfügt. Stil hat die ehemalige Bank ohne Frage!

 

 

Gleich bei der Weinbestellung werden wir höflich aber bestimmt von der sehr geschulten Kellnerin darauf aufmerksam gemacht, dass sie uns gerne den von uns gewählten Rotwein ausschenkt, dennoch lieber eine Empfehlung zu unserer Menüwahl abgeben würde. Gerne gehen wir darauf ein und lassen uns von dem Rotwein aus dem Burgenland, der eine Auszeichnung des Magazins Fallstaff erhalten hat, überraschen -  und sind tatsächlich von der Wahl des Weins sehr beeindruckt.

 

Als letztendlich das Essen gereicht wird, bin ich im ersten Moment doch etwas enttäuscht - und zwar über die wirklich gediegen kleine Portion auf meinem Teller. Schade, denke ich. Wenn man wirklich großen Appetit mitbringt, beziehungsweise schon seit dem Frühstück nichts Essbares mehr zu sich genommen hat und nun spät Abends mit knurrendem Magen auf ein ausgedehntes Mal hofft, dann ist man sehr, aber doch sehr geknickt, gerade mal etwas mehr als einen minimalistischen Klacks auf seinem Teller vorzufinden.

 

 

Die Enttäuschung weicht allerdings schnell einem Gefühl von absoluter Genussbefriedigung. Mein Rehrücken, der mit einem Selleriepüree nebst Cassiskirschen an einer Portweinsauce gereicht wird, ist nicht nur einfach lecker, sondern unglaublich köstlich. Geschmacklich schwebe ich auf Wolke Sieben und möchte am liebsten gar nicht mehr aufhören zu essen. Doch bereits nach wenigen Bissen ist der Genusszauber vorbei und ich bin leider immer noch hungrig. Da ich mir aber heute keine Sorgen um die Rechnung machen muss, bestelle ich mir als Dessert noch einen traditionellen Kaiserschmarren und schwebe wieder auf Wolke Sieben. So eine einfache Mehlspeise, die doch mehr sein kann, als nur eine einfache Mehlspeise, wenn man die Kunst der Rafinesse beherrscht. In diesem Haus versteht man sich absolut auf große Kochkunst.

 

 

Sicherlich könnte ich in diesem Lokal nicht jeden Tag speisen, zumal das erstens die Finanzen stark belasten würde und zweitens auch keine sättigende Lösung wäre. Dennoch kann ich jedem, der einmal das besondere kulinarische Erlebnis in Wien sucht und dabei in einem originellen und stilvollen Ambiente speisen möchte, die Brasserie „The Bank“ wärmsten und mit gutem Gewissen empfehlen. Nur mit leerem Magen, so wie ich es getan habe, sollte man diesem Restaurant keinen Besuch abstatten, denn hungrig lässt es sich so schwer genießen!

 

Kommentare: 0