auf die Plätze, fertig - kochen!

KOCHEN WIEDERENTDECKEN IN ZEITEN VON COVID-19

22. MAI 2020

©Nicole Hacke

„Schwing den Kochlöffel“, dachte ich mir unlängst, als ich merkte, dass dieser ungewollte Lockdown extrem viel Zeit für Muße und kreative Spielräume mit sich bringt. Wenn nicht jetzt, wann dann! Endlich mal richtige extravagante, ausgefallene vegetarische Gerichte Kredenzen, bestenfalls sogar noch eigene Rezeptideen entwickeln. So schwer konnte das doch überhaupt nicht sein!


Als Kind war mir das Kochen immer fremd gewesen. Schließlich hatte ich ja eine Mutter, die sich bestens darauf verstand, wunderbare Fleischgerichte in einer herrlich sämigen Soße zu ertränken, übertroffen nur noch von dem in Rotweinsauce marinierten Sonntagsbraten, der immer der krönende Abschluss einer arbeitsamen Woche darstellte.

 

Nur, dass ich davon meistens wenig hatte, denn ich war allen Anschein nach als Vegetarier geboren worden. Dieser Spezie der fleischverweigernden, blasshäutigen Hungerhaken, die in den 80 iger Jahren mit unmissverständlichem Kopfschütteln als kränkelnde, unterernährte Sonderlinge abgestempelt wurden, gehörte ich, auch noch zu allem Überfluss, an.
Selbst meinen Eltern war guter Rat teuer, denn auch sie wussten sich mit mir kaum zu helfen. So kam es, wie es kommen musste, dass ich mich leider immer nur von den Beilagen bedienen konnte, die meine Mutter zu allen möglichen Fleischgerichten reichte, denn Fleisch kam als Hauptnahrungsbestandteil tagtäglich auf den Tisch, ob mir das nun passte oder nicht.

 

Übrig blieben für mich die Kartoffeln und das in Mehl und Butter angeschwitzte Gemüse. Irgendwie war ich damit zufrieden. Was wusste ich denn damals auch von vegetarischen Gerichten, wenn allein schon das Adjektiv dem Duden schlichtweg unbekannt war.

 

©Nicole Hacke

Da war es in den ersten Jahren meiner desaströsen Kochexperimente auch kaum verwunderlich, dass meine vegetarischen Kochversuche im Universum der fleischlosen Kost vollends misslangen.

 

Außer latschiger, zu weich gekochter Pasta, die immer mit einer „Fix und Fertig“ Tomatensoße aus der Packung verfeinert wurde, brachte ich vielleicht gerade noch Bratkartoffeln mit Spinat und Spiegeleier zustande, allerdings auch nur halbwegs vernünftig, denn der Spinat kam ebenfalls fix und fertig aus einer quadratischen, praktischen und guten Packung - aufgewärmt und schnell serviert. Fertig war das Fertiggericht!


Kochkunst war eindeutig etwas anderes und ich Lichtjahre von ihr entfernt. Erst als ich meinen Freund kennenlernte und begriff, dass Buchstabennudelsuppen nicht wie Liebe durch den Magen gingen, nahm ich all meinen Mut und meinen Willen zusammen und lernte, wie wahrscheinlich viele von uns, nach einer Schritt für Schritt Anleitung mit Tim Mälzer das Kochen.
Nicht sofort stellte sich das erste Erfolgserlebnis ein. Doch schon bald schmeckte mir mein selbstgefertigtes Essen gut und immer häufiger auch immer besser. Der Spaß, nach Rezept zu kochen, das einfache Grundzutaten und frische Produkte erforderte, ließ nicht nach. Im Gegenteil.


Mein Interesse, zunehmend Neues und Unbekanntes auszuprobieren, mich nicht nur in der deutschen Küche zu erproben, sondern auch mal italienische, asiatische oder orientalische Speisen auszuprobieren, schürte zunehmend meine Lust mit Zutaten zu variieren und vor allem zu experimentieren. Hiervon eine Prise mehr, davon eine Prise weniger. Manchmal ersetzte ich auch einfach Zutaten durch andere, wandelte Rezeptvorschläge ab und hielt mich grundsätzlich nie exakt an die Vorgaben, frei nach dem Motto: Ich mach´s frei Schnauze.

 

©Nicole Hacke

Seitdem zaubere ich die schmackhaftesten vegetarischen Gerichte auf den Tisch, denn meine Liebe zur Gemüseküche ist eine Liaison der ganz besonderen Art. Befeuert durch meine Überzeugung, dass man auf Fleisch gut und gerne verzichten kann und ein vegetarisches Essen genauso vollwertig und lecker ist, probiere ich ständig etwas Neues aus und entlocke auch meinem Mann, der überzeugter Fleischkonsument ist, genussfreudige "Ahs und Ohs" beim Essen meiner gemüselastigen Gerichte.


Und das soll etwas heißen.

 

Kein Trend und kein Hype um die neuen geländegängigen Ernährungsformen, die fleischlose, dafür aber ballaststoffreiche Kost propagieren, entlocken mir auch nur ein müdes Zucken mit den Schultern.


Mich interessiert absolut nicht, ob ich mit meiner Ernährungsweise hipp, in und total cool bin, denn ich bin de facto immer schon Vegetarierin gewesen und habe mich nie, trotz aller epochalen Ernährungsentwicklungen, auch nur jemals von meiner Vorliebe zum Gemüse abbringen lassen.
Fleisch hat mich nie überzeugt und auch nie inspiriert. Lieber entwickele ich eigene, gaumenfreudige Gemüsekreationen, die nicht nur mir höchste Genussmomente bescheren, sondern auch meinen Mitmenschen beim Kochen und gemeinsamen Essen Freude bereiten.


Aus diesem Grund habe ich in den letzten Wochen mit Zutaten experimentiert, mir aus unseren Nachbarländern, Spezialitäten abgeguckt und diese für meine Spargelwochen-Rezepte abgewandelt, mit ein bisschen Fantasie, guter Laune und einem Gläschen Wein beim Zubereiten.


Alle Rezeptvorschläge, die ich Euch im Folgenden vorstelle, basieren auf wenigen, aber frischen Zutaten, sind schnell und einfach zuzubereiten, sodass die Raubtierfütterung des Partners zügig und gefahrlos über die Bühne gehen kann. Futterneid ist allerdings nicht ausgeschlossen.


Achtung also beim Blick fernab des Tellers!


spargelauswahl

 

Die Spargelauswahl könnte mittlerweile nicht vielseitiger sein. Neben der klassischen weißen Variante gibt es den im Geschmack etwas nussigeren grünen Spargel, der sich hervorragend in der Pfanne braten, beziehungsweise dünsten lässt, sowie den sehr herben dunkellilafarbenen Spargel. Kombiniert man alle drei miteinander, erlebt man eine absolute Geschmacksexplosion, da sich milde nussige und herbe Nuancen geschmacklich perfekt miteinander vereinen.


eggs Benedict á la Nicole

     

 

©Nicole Hacke

 

Zutaten:

 

1 Pfund Spargel ( jeweils weiß und grün)

6-7 Kartoffeln mittlerer Größe

2- 3 Tassen Milch

eine große Messerspitze Butter

eine Prise Muskatnuss

Salz und Pfeffer 

einen Schuss Sahne

Räucherlachs (1 dünne Scheibe pro Portion)

2 Spiegeleier

2-3 Esslöffel süßer Senf oder Honigsenf

frischer Babyspinat (1 kleine Tüte abgepackter Spinat)

Olivenöl

 

 

Zubereitung:

 

Den Spargel schälen und in mundgerechte Stücke schneiden. In etwas Olivenöl mit jeweils einer Prise Salz und einer Prise Pfeffer in der Pfanne auf mittlerer Hitze dünsten, bis der Spargel gut bissfest ist. Währenddessen die Kartoffeln schälen, in ausreichend Wasser zum Kochen bringen und nach etwa 10 - 15 Minuten Kochzeit vom Herd nehmen, das Wasser abgießen und die Kartoffeln zusammen mit der Milch und der Butter zu Kartoffelpüree stampfen. Mit etwas Salz und Muskatnuss abschmecken. 

 

Den frischen Spinat putzen und mit etwas Olivenöl, einer Prise Pfeffer, einer kleinen Handvoll Pinienkerne und einer kleinen gewürfelten Zwiebel andünsten, bis der Spinat butterweich in sich zusammenfällt.

 

Danach die Soße Benedict vorbereiten. Dafür drei gehäufte Esslöffel süßen Senf oder Honigsenf mit 150 g Sahne verrühren und sanft erhitzen. Die Soße soll am Ende nicht flüssig sein, sondern leicht cremig vom Löffel gehen. 

 

Nun den Teller anrichten. Dabei den Kartoffelstampf in ein kleines Kuchenförmchen streichen. Darauf zwei Esslöffel Spinat häufen. Eine Scheibe Räucherlachs auf dem Spinat drapieren, mit einem Spiegelei garnieren und die Soße Benedict darüber träufeln.

 

Den Tellerrand mit dem bissfesten Spargel auffüllen. Fertig!

 

©Nicole Hacke


Spargel-Tomaten-Potpourri an Bärlauchburrata

 

Zutaten:

 

1 Packung aromatische Strauchtomaten

1 kg bestehend aus weißem, grünem und lilafarbenem Spargel

2 Burratakugeln

kaltgepresstes Olivenöl und Balsamicoessig für das Dressing

selbstgemachtes oder im Feinkostgeschäft fertig zu kaufendes Bärlauchpesto

 

©Nicole Hacke

 

Zubereitung:

 

Den weißen, grünen und lilafarbenen Spargel in etwas Olivenöl mit Salz und Pfeffer abschmecken und leicht bissfest andünsten. Auf Tellern anrichten, in die Mitte je eine Burratakugel legen und diese mit Olivenöl, Balsamicoessig und Bärlauchpesto übergießen. Ein leicht vorzubereitendes Gericht, das wenig Aufwand erfordert, aber sehr gut schmeckt.

 

©Nicole Hacke


Variationen vom Spargel an Kräuterseitlinge mit Bärlauchstampf

   

Zutaten:

 

1 Pfund Spargel (jeweils weiß und grün)

6-7 mittelgroße Kartoffeln

2 aromatische Strauchtomaten zur Dekoration

3-4 große Kräuterseitlinge 

2 Scheiben Räucherlachs

2 Tassen Milch

1 Stück Butter

1 Prise Muskatnuss

Salz und Pfeffer

Bärlauchpesto

Olivenöl

 

©Nicole Hacke

 

Zubereitung:

 

Den Spargel schälen und in mundgerechte Stücke schneiden. In etwas Olivenöl mit jeweils einer Prise Salz und einer Prise Pfeffer in der Pfanne auf mittlerer Hitze dünsten, bis der Spargel gut bissfest ist. Währenddessen die Kartoffeln schälen, in ausreichend Wasser zum Kochen bringen und nach etwa 10 - 15 Minuten Kochzeit vom Herd nehmen, das Wasser abgießen und die Kartoffeln zusammen mit der Milch und der Butter zu Kartoffelpüree stampfen. Mit etwas Salz und Muskatnuss abschmecken. 

 

Die Kräuterseitlinge in guter Butter oder Butterschmalz mit Pfeffer anbräunen und zur Seite stellen.

 

Nun den Teller anrichten. Dabei den Kartoffelstampf in ein kleines Kuchenförmchen streichen. Eine Scheibe Räucherlachs darüber drapieren, mit zwei Hälften einer Strauchtomate garnieren und das Bärlauchpesto darüber träufeln. Die Kräuterseitlinge entweder unter den Spargel mischen und am Tellerrand anrichten oder auf dem Kartoffelstampf zusammen mit den Strauchtomaten dekorieren.

 

©Nicole Hacke


Fussilli Giganti an Spargelbeet mit Bärlauch-Carbonara, Kräuterseitlinge und HobelParmesan

Zutaten

 

1 Packung Fussili Giganti No. 234 von "De Cecco"

1 Pfund Spargel (jeweils weiß und grün)

1 Pfund grüner Spargel

3-4 Kräuterseitlinge

2 Esslöffel Mascarpone

1,5 Tassen Weißwein (halbtrocken oder trocken)

Parmesan

2-3 Teelöffel Bärlauchpesto

Olivenöl

 

©Nicole Hacke

Zubereitung

 

Die Fussilli in Wasser "al dente" kochen (gemäß Packungsanleitung). Den Spargel schälen, in mundgerechte Stücke schneiden und in einer Pfanne zusammen mit den Kräuterseitlingen in Olivenöl leicht andünsten, Weißwein hinzugeben und auf mittlerer Hitze weiter köcheln lassen (der Spargel sollte bissfest bleiben).

 

Die Soße mit Mascarpone verfeinern und mit Bärlauchpesto, Salz und Pfeffer abschmecken. Die Fussilli mit der fertigen Soße vermengen und zum Garnieren Hobelparmesan über das Essen streuen.

 

©Nicole Hacke


Weinempfehlung

 

Den einen richtigen Wein gibt es nicht. Dafür sind unsere Geschmäcker allesamt viel zu verschieden. Grundsätzlich gilt, was einem schmeckt und gut mundet, ist auch die richtige Wahl.

 

Zur Faustregel sollte man es sich jedoch machen, dass zu Spargelgerichten ein Weißwein gehört, maximal ein leichter Rosé, niemals aber ein kräftiger Rotwein. 

 

Ob es dann ein Franzose, ein Italiener oder ein deutsches Prädikat werden soll, ist dem jeweiligen Gaumen selbstverständlich überlassen. Ob trocken, lieblich oder halbtrocken, entscheidet ebenfalls die individuelle Vorliebe des Weintrinkers.

 

Zu meinen Spargelgerichten habe ich „Les Olivettes“, einen leichten französischen Weißwein ausgewählt, der zart nach Pfirsich und zitrischen Noten duftend, samtfein und erfrischend sommerlich schmeckt.

 

 

©Nicole Hacke


klassische Rote Grütze auf Milchreis

 

Rote Grütze ist doch ein Allzeit-Klassiker, wenn es um einen der traditionellsten Nachspeisen Norddeutschlands geht. Zugegeben habe ich auf dem Foto ein wenig geschummelt, denn weder Milchreis noch Rote Grütze stammen aus meiner eigenen "Kreativküche".

 

Dafür lohnt sich aber der Kauf der Milch- und Süßspeisen des "Sylter Dorfkrugs", denn beide schmecken fast wie selbst gemacht. Kein Wunder, denn der Milchreis ist vom eigenen landwirtschaftlichen Betrieb. Und nicht nur das: die Rinder, die aus alter Zucht stammen, werden artgerecht gehalten, die Milch schonend verarbeitet, sodass die wertvollen Inhaltsstoffe beibehalten werden und für den einzigartigen Geschmack sorgen. Na, dann!

 

www.zum-dorfkrug.de

 


 

Und nun viel Spaß beim Nachkochen und Guten Appetit wünscht Euch..

 

Eure

 


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