27. JULI 2019



jazzballaden von sarah mc kenzie

 

Wer ist nicht verliebt in Jazz! Ich zumindest kann mich der flotten "Off-Beat" Musik nur schwer entziehen. Ganz besonders dann, wenn die australische Jazzvirtuosin Sarah Mc Kenzie am Klavier ihre swingenden Balladen zum Besten gibt. Doch zu Hause reißt es einen nicht gleich vom Hocker, wenn man Sarah´s Balladen über die Stereoanlage mithört. Eine ganz andere Nummer ist es hingegen, wenn einen die Gelegenheit ereilt, einem Jazzkonzert beiwohnen zu können und Mc Kenzie´s Musik Live und Unplugged samt Band zu erleben.

 

Es ist zwar schon zwei Jahre her, doch werde ich dieses fantastische Konzert in der Kulturkirche in Hamburg nie vergessen. Kalt war es an jenem Tag und ich wunderte mich tatsächlich, wie man auf die Idee kam, Jazzmusik in einer Kirche zu spielen. Aber es war schließlich und letztendlich die Kulturkirche Hamburgs. Daher machte ich mir nicht weiter Gedanken darüber, ob die Wirkungsstätte dem musikalischen Rahmen des Konzerts entsprach oder nicht. Auf jeden Fall empfand ich die Kombination aus Musik und gewählter Location doch recht experimentell und ungewöhnlich.

 

Und genauso verlief auch der besonders temporeiche, rhythmusstarke und vor Lebendigkeit sprudelnde Jazzabend mit Sarah Mc Kenzie, nämlich extrem ungewöhnlich!

 

 

Aus der damaligen Single-Auskoppelung des gleichnamigen Albums "Paris in the Rain", spielte Sarah neben weiteren eigenen Songs, wie "One Jealous Moon" und "Road Chops", auch Jazz-Klassiker von Gershwin, Coleman und Rodgers. Eine besonders gelungene Zusammenstellung, wenn man bedenkt, dass Sarah´s Eigenkompositionen doch stark an die Songs von Joni Mitchell oder Shirley Horn erinnern. Nichtsdestotrotz gelingt es der Australierin auf elegante, unaufgregte Weise, den eigenen Stücken einen individuellen und unverkennbaren "Mc Kenzie" Ansatz zu verleihen.

 

Ihre besonders ausgewogene, mit dunklem Timbre versehene Stimme, kommt, wie aus dem Nichts, lässig und unprätenzios daher. Ganz nebenbei begleitet sie sich selbst auf dem Klavier und lässt ihre langen, filigranen Finger mit einer unangestrengten Leichtigkeit über das Klavier gleiten, dass man fast schon den Eindruck gewinnt, sie spielt nur so zum Zeitvertreib, gedankenverloren vor sich hin. Faszinierend.

 

Mit jedem weiteren Song steigert sich Mc Kenzie. Die Stücke werden temporeicher, aufgedrehter und verrückter. Selbst die Luft im der Kirche erhitzt sich, so wie die überdrehten Gemüter im Publikum. Euphorisch wird im Rythmus des Taktes einfach mal zwischendrin mitgeklatscht. Einzelne Jubelrufe durchbrechen das Schweigen der Zuhörerschaft. Sarah Mc Kenzie ist immer mehr in ihrem Element. Und das begeisterte Publikum geht mit.

 

Selbst ich hatte mich schon lange so aufgedreht, euphorisch und enthusiastisch nicht mehr erlebt. Mit dem Füßen wippend nach vorne gebeugt, hielt es mich an diesem Abend kaum noch auf der Kirchenbank. Eher hatte ich das Gefühl demnächst aus der Reihe ausscheren zu müssen, um meiner aufgestauten Tanzwut gebührend Audruck zu verleihen.

 

Als das letzte Stück und noch ein paar Zugaben gespielt werden, bin ich selig. Mein Puls, der auf 180 geklettert sein muss, beruhigt sich nur langsam. Noch immer will ich mit den Füßen auf und ab wippen. Der Rythmus ist noch in den kleinen Zehen präsent und auch die eingängigen Melodien kriege ich vorläufig aus meinem Gehörgang nicht wieder raus.

 

Abschließend, bevor ich beschwingt nach Hause gehe, erlebe ich Sarah Mc Kenzie nochmal als Person. Sie steht direkt vor mir, plaudert angeregt mit ihren Fans und gibt geduldig und in aller Seelenruhe Autogramme. Ich begegne tatsächlich einer Künstlerin, die sehr entspannt, und bodenständig wirkt und sich selbst dabei zurücknimmt. Solche Ausnahmetalente, die sich selbst nicht in den Vordergrund schieben, sind mir hochgradig sympatisch.

 

Zum Schluss bekomme ich ein sehr persönliches Autogramm, freue mich über diesen tollen Abend und hoffe auf noch weitere aufregende Jazzerlebnisse mit dieser talentierten Vollblutmusikerin.


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